Überraschender Handshake nach jahrelangem Streit um Verkehrsprojekt Oase: «Wir geben die Oppositionsrolle auf»

Eugen Frunz und seine Interessengruppe bekämpften die Verkehrspläne des Kantons Aargaus in Obersiggenthal vehement. Warum es nun zur Versöhnung der langjährigen Gegner gekommen ist.

Es ist ein Bild, das man sich so vor wenigen Monaten noch nicht vorstellen konnte: Eugen Frunz von der Interessengemeinschaft «Oase so Nicht» reicht Carlo Degelo vom kantonalen Verkehrsdepartement die Hand. Eugen Frunz, die IG und die Siggenthaler Gemeinden hatten jahrelang mit Haut und Haar gegen die Verkehrspläne des Kantons angekämpft. Dieser plante eine Umfahrung der Stadt Baden durch den Bau des Martinsbergtunnels und der Sperrung der Badener Hochbrücke für den motorisierten Individualverkehr. Obersiggenthal befürchtete, dereinst die grosse Verlierergemeinde des Projekts zu sein: Deutlich mehr Verkehr als heute werde bei der Umsetzung der Oase-Pläne durch das Dorf rollen.

Warum kam es nun zum Handschlag? Erstens: Vergangenes Jahr gab der Kanton bekannt, dass er die Oase-Pläne für die Region Baden auf Eis lege, beziehungsweise dass sie zur Überarbeitung auf der Stufe «Zwischenergebnis» belassen werden. Und zweitens teilte das Departement Bau, Verkehr und Umwelt diesen März mit: Beim neuen Anlauf für das Gesamtverkehrskonzept werden Gemeinden und Interessengruppen stärker in den Prozess eingebunden.

«Wir geben die Oppositionsrolle auf»

Die Gruppe um Eugen Frunz teilt nun mit: «Der lange Kampf gegen das Projekt Oase hat sich gelohnt. Der Neustart des Gesamtverkehrskonzeptes wird mit einem partizipativen Verfahren erfolgen.» Damit könnten Verbände, Organisationen und vor allem auch die Bevölkerung in die Planung mit einbezogen werden. «Steter Tropfen höhlt den Stein, könnte man sagen, denn die IG fordert schon seit langem diese Vorgehensweise», heisst es in der Mitteilung weiter.

Mit dem Neustart beginne eine höchst anspruchsvolle Planungszeit. Sie dürfte zwei bis drei Jahre dauern. Die Vorarbeiten des Kantons haben die IG überzeugt, sie teilt mit:

«Aus diesem Grund sind wir bereit, die bisherige Oppositionsrolle aufzugeben und aktiv an der Neuplanung mitzuarbeiten, dies selbstverständlich mit der nötigen kritischen Haltung.»

Einen speziellen Dank richtet die Obersiggenthaler Gruppierung an Carlo Degelo und an Regierungsrat Stephan Attiger: «Das von uns geforderte Vorgehen wurde in praktisch allen Punkten von der Regierung übernommen.» Das partizipative Verfahren sei schweizweit neu. Doch Planungen in dieser Grösse seien nur noch mit dem direkten Einbezug aller Betroffenen umsetzbar.

Weitere «Planungsleiche» soll verhindert werden

Mit dem Neustart wird sich die Obersiggenthaler Interessengruppe neu organisieren müssen. «Das bisherige Gremium im Siggenthal besteht grösstenteils aus pensionierten Altherren. Gefragt sind nun jüngere Personen aus Ober- und Untersiggenthal.»

Es seien Beiträge aller Betroffenen nötig, um die neue Planungsphase erfolgreich und adaptiert umsetzen zu können, heisst es in der Mitteilung. «Eine weitere Planungsleiche darf nicht mehr daraus hervorgehen.»

Aargauer Zeitung, Pirmin Kramer

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.