«Wir sind auf der Verliererseite»

Vier Gemeinden machen gemeinsam mobil gegen das regionale Gesamtverkehrskonzept Oase. Ihren Protest haben sie beim Kanton deponiert.

Morgens um 8 Uhr in Nussbaumen. Während oben im Sitzungszimmer GS1 in der Mehrzweckhalle die Pressekonferenz beginnt, wälzen sich unten wie jeden Morgen seit den frühen Morgenstunden die Autokolonnen durch die Landstrasse in Richtung Baden. Der Stau zieht sich durchs ganze Dorf und teilweise bis ins untere Aaretal. Anschaulicher könnte man wohl kaum zu einem Thema einleiten. «Wie Sie feststellen konnten, ist der Verkehr hier wirklich ein Problem», sagt Obersiggenthals Ammann Bettina Lutz Güttler in ihrer Begrüssung. Gemeinsam mit ihrer Untersiggenthaler Amtskollegin Marlène Koller sowie Urs Burkhard aus Ehrendingen und Robert Müller (Freienwil) hat sie die Medien eingeladen, um der gemeinsamen Verlautbarung gegen die Oase, die die vier Gemeinden an den Kanton geschickt haben, noch mehr Gewicht zu verleihen. Robert Müller fehlt an diesem Morgen krankheitshalber.

Faire Verteilung des Verkehrs

Zusammengezählt repräsentieren die vier Gemeinden 22 000 Einwohnerinnen und Einwohner – fast gleich viele wie die Stadt Baden, die durch das regionale Gesamtverkehrskonzept Oase entlastet werden soll. Die vier Gemeinden fühlen sich sehr benachteiligt, wie Bettina Lutz betont: «Wir sehen uns auf der Verliererseite! Wir zahlen den Preis für die Entlastung der Zentren.» Ehrendingens Ammann Burkhard ergänzt: «Es kann nicht sein, dass vier Gemeinden den ganzen Verkehr alleine aufnehmen und bewältigen müssen. Der Verkehr muss fair verteilt werden.»

Bei Investitionen von rund 500 Millionen Franken im Raum Baden müsse es gelingen, ein Projekt ohne Verlierer zu entwickeln, fordern die Gemeinderäte. Sie sind der Ansicht, dass die Fragen im vorgegebenen Anhörungsformular des Mitwirkungsverfahrens, das am 17. Januar endete, sich nicht für differenzierte Antworten eigneten, zudem seien die Fragen suggestiv gestellt. «Aus diesem Grund haben wir entschieden, zusätzlich in einem gemeinsamen Brief Stellung zu nehmen», halten die Gemeinderäte der vier Dörfer in ihrem Begleitschreiben an das Departement Bau, Verkehr und Umwelt fest. Neben spezifischen Forderungen, die ihre eigene Gemeinde betreffen (siehe weitere Texte), haben die vier Gemeinderäte auch allgemeine Forderungen wie jene nach einem griffigen Mobilitätsmanagement, das sich in der Oase nur auf den Ausbau der Veloinfrastruktur sowie des ÖV-Angebots beschränke.

Einseitiger Blick auf «Morgenspitze»

Bevor die grossen Verkehrsströme um die Zentren herumgeführt werden können, müsse zudem zwingend die Zu- und Abflüsse bei den Autobahnanschlüssen der A1 sichergestellt sein, fordern die vier Gemeinden. Der Ausbau der A1 auf sechs Spuren sei voranzutreiben, damit es nicht zu Umfahrungsverkehr durch die Agglomerationsgemeinden komme.

Die Einflüsse von Drittprojekten wie der Limmattalbahn (LTB) mit Umnutzung der Hochbrücke und Neubau der Brücke Liebenfels oder dem neuen Rheinübergang in Koblenz seien in der Oase nicht berücksichtigt. Vor allem der Schwerverkehr, der den kürzesten Weg durchs Siggenthal auf die Autobahn suche, wird für das untere Aaretal und Siggenthal ein Riesenproblem.

Die vier Gemeinden kritisieren auch, der Blickwinkel sei einseitig vor allem auf die Morgenspitze ausgerichtet. In umgekehrter Richtung versagen die Massnahmen des Verkehrsmanagements. «Auch abends ist die ganze Region massiv belastet.» Die Menschen müssten nicht nur morgens rechtzeitig zur Arbeit kommen, sondern am Abend auch wieder rechtzeitig nach Hause – zu Familie, Vereinen, Kultur oder Sport.

Von der Flut des Protests erschlagen

Das Schreiben wurde vergangene Woche abgeschickt. Eine Rückmeldung aus Aarau haben die beteiligten Gemeinden noch nicht erhalten, dafür ist es noch zu früh. «Wir hoffen jedoch, dass der Kanton von der Flut des Protests aus unserer Region erschlagen worden ist», sagt Marlène Koller. Bettina Lutz Güttler betont, dass die Gemeinden zwar beim Kanton durchaus angehört wurden. «Wir konnten an Workshops teilnehmen und waren an Fachgruppen beteiligt.» Sehr enttäuscht habe man dann aber zur Kenntnis genommen, dass von ihren Anliegen fast nicht ins Projekt eingeflossen sei. Warum, sei nicht nachvollziehbar.

Ilona Scherer, Rundschau

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