«Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen»

Die Zurzacher Bezirksparteien sind nicht wirklich zufrieden mit den kantonalen Verkehrsplänen für den Ostaargau. Sie stellen klare Forderungen.

Das Regionale Gesamtverkehrskonzept Ostaargau (Oase) soll dereinst die Zentren Baden und Brugg entlasten und – aus Zurzibieter Sicht – das untere Aaretal besser ans übergeordnete Strassennetz anbinden. Bisher stiess das Konzept vor allem in der Region Baden auf Kritik.

Im Unterschied zum Zurzibiet. Hier wurde das Projekt mehrheitlich positiv aufgenommen. Sowohl der Planungsverband Zurzibiet Regio wie auch das Wirtschaftsforum Zurzibiet stellen sich hinter die Pläne.

Nun regt sich aber Widerstand im Grenzbezirk: Die Bezirksparteien äussern gegenüber dem 1 Milliarde Franken teuren Projekt grosse Vorbehalte. Die SP spricht von einem verfehlten Konzept. «Die Oase löst im Bezirk Zurzach keine Verkehrsprobleme», kritisiert Präsidentin Elena Flach.

Im Gegenteil: Sie bringe nebst den ökologischen Nachteilen mehr motorisierten Individualverkehr und damit noch mehr Verkehrsprobleme. Staus und Flaschenhälse liessen sich durch einen Kapazitätsausbau der Strassen nicht verhindern, sondern nur verschieben.

Eine Umfahrung von Siggenthal-Station und eine neue Rheinbrücke bei Koblenz würden, so die SP, garantiert Mehrverkehr aus dem süddeutschen Raum anziehen, inklusive Schwerverkehr und schrittweise einen Ausbau der gesamten Aaretalstrasse. Das sei ein fataler Teufelskreis.

Nicht mit Kritik spart auch die CVP. «Wir lassen uns nicht über den Tisch ziehen», sagt Bezirkspräsident Andreas Meier. Solange wesentliche Punkte im Konzept nicht berücksichtigt würden, könne man dem Projekt nicht zustimmen. Meier bezeichnet die Belastung aus dem unteren Aaretal Richtung Baden in dieser Form als nicht tragbar. «Darüber hinaus muss der Übergang zwischen Koblenz und Waldshut in die Planungen einfliessen», so Meier.

Limmattalbahn bis nach Würenlingen verlängern

Dieser Forderung schliessen sich auch SVP und FDP an. Deren Präsidenten Hansjörg Erne und Claudia Hauser erachten es ebenfalls als zwingend, dass der Grenzübergang ins Konzept eingebunden werde. «Und zwar so schnell wie möglich», so Erne.

Gegen 15’000 Fahrzeuge passieren täglich den Grenzübergang. Nur: Koblenz ist nicht Bestandteil des Oase-Projekts. Es gibt zwar eine laufende Verkehrsstudie zusammen mit Deutschland, welche die Leistungsfähigkeit der Grenzübergänge ermittelt. Untersucht wird darin der Raum von Basel bis zum Bodensee mit Fokus auf den Schwerverkehr.

Die Studie ist inzwischen abgeschlossen. Die Ergebnisse sollen im Frühjahr 2020 präsentiert werden. Die Frage, die es zu beantworten gilt: Braucht es zusätzliche Grenzübergänge und Infrastrukturmassnahmen? Für Andreas Meier steht dieser Punkt ausser Frage.

Einigkeit herrscht bei den Parteien, was den ÖV betrifft. Dieser soll im Zurzibiet verbessert werden. Beispielsweise mit einem 15-Minuten-Takt der S-Bahn. Um den Druck vom Unteren Aaretal Richtung Baden zu entschärfen, schlägt Claudia Hauser zudem eine Verlängerung der Limmattalbahn bis Siggenthal und Würenlingen vor.

Daniel Weissenbrunner, Badener Tagblatt

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