Noch mehr Gegner: Die Oase kommt immer stärker unter Druck

Auch Untersiggenthal und Freienwil stimmen in den Chor der Kritiker des Strassenprojektes ein.

Kein Thema hat es im vergangenen Jahrzehnt geschafft, Gemeinden so stark zusammenzuraufen wie derzeit das Gesamtverkehrskonzept für den Ostaargau, auch Oase genannt. Fast täglich treffen neue Stellungnahmen auf der Redaktion zum Projekt ein, das unter anderem die Sperrung der Hochbrücke für Autos und einen neuen Tunnel durch den Martinsberg vorsieht.

Vier Gemeindeammänner haben nun zusätzlich zur Vernehmlassung gemeinsam ein Schreiben nach Aarau geschickt, in dem sie aus ihrem Herzen keine Mördergrube machen und geradeheraus ihren Unmut kundtun. Neben Obersiggenthal – das seit Monaten mit einer derartigen Intensität protestiert, dass gewisse andere Gemeinden in der Region hinter vorgehaltener Hand von Populismus sprechen – und Ehrendingen stimmen nun auch Freienwil und etwas überraschend Untersiggenthal in den Chor der Kritiker ein.

Erst Ja im Grossen Rat, jetzt klare Forderungen
Etwas überraschend ist die Haltung Untersiggenthals, weil sich Gemeindeammann Marlène Koller vor einiger Zeit noch gemässigt zu den Verkehrsplänen des Kantons geäussert hatte. Sie finde das Projekt Oase nicht grundsätzlich schlecht, sagte sie im Sommer 2018. Aber es brauche Massnahmen zur Entlastung der beiden Siggenthaler Gemeinden.

Und im Grossen Rat stimmte die SVP-Politikerin dem Zwischenergebnis zur Oase gar zu. «Dies in Absprache mit dem Gemeinderat und in der Hoffnung, dass die Forderungen der betroffenen Gemeinden auch wirklich ernstgenommen werden. Es gab zwar einen langen Anhörungsprozess, er entfaltete aber keine Wirkung», sagt Koller.

Untersiggenthal fordert fünf Massnahmen. Die Gemeinde bringt den Siggenberg-Tunnel zurück ins Gespräch. Der ursprünglich im Richtplan eingetragene Tunnel habe gegenüber der vorliegenden Lösung Vorteile, unter anderem auch für die bessere Anbindung des Unteren Aaretals an das übergeordnete Strassennetz. «Die Streichung dieses Lösungsansatzes erfolgte ohne Mitwirkung der Gemeinden und ist als alternative Lösung wieder in die Planung aufzunehmen», verlangt die Gemeinde Untersiggenthal.

Nein zu Westumfahrung der Station Siggenthal
Eine klare Haltung hat die Gemeinde betreffend West-Umfahrung der Station Siggenthal: Die Umfahrung wird strikte abgelehnt und soll ersatzlos gestrichen werden. Stattdessen müsse das vorhandenen Strassentrassee ausgebaut und um eine Velospur ergänzt werden.

Weitere hält der Gemeinderat der 7200-Einwohner-Ortschaft fest: Die durch den Kanton bewusst herbeigeführte Mehrbelastung des Strassennetzes führe zu erhöhten Kosten für den Unterhalt. Für die betroffenen Strassenabschnitte sei die Kostenverteilung darum neu zu verhandeln. Und die Verkehrsströme aus dem Unteren Aaretal seien gerecht auf beiden Talseiten zu verteilen.

Freienwil befürchtet derweil, die mit der Limmattalbahn in Zusammenhang stehende Umnutzung der Hochbrücke habe zur Folge, dass der gesamte Verkehr aus dem Surbtal und Wehntal nach Baden via Hertenstein gelenkt werden müsse. Diese künftige Verkehrsführung erfordere flankierende Massnahmen und besonders im öffentlichen Verkehr eine vorausschauende Planung, zum Beispiel eine elektronische Busspur im Häfeler. Freienwil befürchtet ausserdem ein erhöhtes Verkehrsaufkommen während der Zeit, in der Oase-Pläne umgesetzt werden, und verlangt flankierende Massnahmen.

Baden Regio sagt Ja zur Oase
In ihrem Fazit schreibt die Allianz der Oase-Gegner, die Strategie zur Bewältigung des Mehrverkehrs überzeuge nicht, und trotz aller Beteuerungen des Kantons seien die vier Gemeinden auf der Verliererseite.

Die Gruppe der Oase-Gegner also wächst – doch es gibt auch positive Stellungnahmen. Der Regionalplanungsverband teilt mit, in der Beratung des Vorstands sei die Vielfalt der sehr unterschiedlichen kommunalen Haltungen zum Ausdruck gekommen, «doch die Zielsetzungen des Regionalen Gesamtverkehrskonzepts werden von Baden Regio unterstützt». Die Umfahrungsstrasse mit dem Tunnel in Baden werde ebenfalls befürwortet, dürfe aber zu keinem weiteren Durchgangsverkehr führen.

Doch selbst Baden Regio ist nicht mit allen Massnahmen einverstanden. «Es wäre falsch, sich im heutigen Zeitpunkt für einen neuen Limmatübergang auszusprechen.»

Primin Kramer, Badener Tagblatt

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