«Oase»: Siggenthaler aufs Velo!

Nun liegt er vor, der langerwartete Bericht zum regionalen Gesamtverkehrskonzept Ostaargau, «rGVK Oase», thematisch in mehrere Teilberichte gegliedert und einige 100 Seiten umfassend. Kernstück für die Region Baden ist einerseits der Martinsbergtunnel zur Zentrumsentlastung von Baden. Mit der Umfahrung soll der Verkehr (eventuell über eine neue Limmatbrücke in Wettingen) an die A1 in Neuenhof direkt angebunden und die Achse Bruggerstrasse-Schulhausplatz entlastet werden. Andererseits wird die Region mit schnellen, sicheren «Velovorzugsrouten» verbunden, und damit ein «Modal-Shift in Richtung mehr Velofahrten erzeugt…».

Im Siggenthal befürchtet man, dass die Zentrumsumfahrung die Attraktivität der Achsen Untersiggenthal – Nussbaumen sowie Hertenstein – Nussbaumen erhöht, was zu Mehrverkehr in dichten Siedlungsgebieten führt. Diese Bedenken werden im Bericht auch bestätigt, indem in Nussbaumen ohne Oase mit einer Zunahme des MIV (= motorisierter Individualverkehr) um über 40% im «Referenzzustand 2040» gerechnet wird (Oase, Massnahmenbericht Raum Baden, Seite 7).

Wie aber lässt sich dieser enorme Mehrverkehr mit Oase und dem Martinsbergtunnel auf dem heutigen Niveau halten? Man liest, staunt und (ver)zweifelt:
Zuerst rechnen die Planer mit einem «Quantensprung beim Veloverkehr» (siehe Anhörungsbericht rGVK Oase 2040, Oktober 2019, Seite 59 ff.): «Falls das Velonetz mit den im rGVK OASE aufgezeigten Velovorzugsrouten, den Velohaupt- und Nebenverbindungen ergänzt wird, rechnet man zwischen der Stadt Baden und dem Siggenthal (rechts der Limmat) mit einem Velo-Verkehrsaufkommen von ca. 9‘000 Fahrten pro Tag, etwa sechs Mal mehr als heute.»

Dies erinnert mich sehr an meine Jugendzeit, als punkt 12 h mittags sich der BBC- Velostrom über die Hochbrücke bewegte und den damals bescheidenen MIV lahmlegte. Soweit soll es nicht kommen, denn im Bericht «Fuss- und Velokonzept» wird u.a. auch eine vom MIV getrennte Veloschnellstrasse durch das Siggenthal nach Baden mit eigenem Brückenübergang vorgestellt. Damit können die radelnden Siggenthaler Platz schaffen für den zunehmenden Lastwagenverkehr aus dem Unteren Aaretal!

Für die unsportlichen Einwohner wird das ÖV-Angebot verbessert, indem der 7.5 Minutentakt bis Untersiggenthal angeboten und auch eine Linienführung nach Turgi in Betracht gezogen wird. Um letztlich den MIV im Siggenthal auf dem heutigen Niveau zu halten(!), soll eine «intelligente» Verkehrslenkung den «verbleibenden» Aaretalverkehr über eine «Ertüchtigung»(!) des Wildistich auf den Kappelerhof umleiten. Und würde letztlich all dies nicht genügen, könnte man auch Massnahmen für die Ortsdurchfahrung / -umfahrung andenken, was sich das Siggenthal schon lange wünscht – jedoch ohne Martinsbergtunnel!

Dass die vorgestellten Massnahmen genügen, um die Belastung im Siggenthal wirkungsvoll zu begrenzen, erscheint nicht nur unglaubwürdig, sondern widerspricht jeglichem gesunden Menschenverstand: Oase so nicht!

Prof. em. Dr. Hans-Jakob Lüthi, Kirchdorf

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